Bewusst und unbewusst

Wir nehmen immer gleichzeitig bewusst wahr, und unbewusst. Also lernen wir immer gleichzeitig bewusst und unbewusst. Und damit haben wir haben auch zwei Arten von Erinnerung: bewusste und unbewusste.

  • Einer lernte lang auf eine Prüfung hin. Und dann plötzlich und für kurze Zeit ist alles weg. Wir nennen dieses Phänomen „Black-Out“. Es ist, als hätte einer von zwei Zwillingen gelernt und der andere wird ausgefragt.
  • Am anderen Ende der Skala interessanter Phänomene rund um’s das Lernen steht das, was die Gehirnforschung „Flow“ nennt. Maria Montessori nennt es „Polarisation der Aufmerksamkeit“: Der Lernende vergisst die Zeit, vergisst sich selbst und auch die Welt um ihn herum. Er ist vollständig bei der Sache. Und nach getaner „Arbeit“ wacht er auf, fühlt sich erholt und ist gestärkt.
    Maria Montessori stellt dieses Phänomen ins Zentrum ihrer Pädagogik und fordert, jeder Schüler solle die Möglichkeit bekommen, wenigstens einmal am Tag beim Lernen Flow zu erleben. Um Flow zu untersuchen, löst die Wissenschaft ihn gezielt aus: mit Computerspielen.

Ja, manchmal scheint es, wir seien zwei. Sollte das irgendwie stimmen und beide Phänomene etwas mit dem Zusammenspiel zwischen dem Bewusstsein und dem Unbewussten zu tun haben, dann führt uns das erste Beispiel vor Augen, was passieren kann, wenn nur einer lernt. Das zweite zeigt uns, wie innere Einheit aussieht. Wir dürften erst zufrieden sein, wenn mindestens ein Schüler am Tag vor unseren Augen Flow erlebt. 

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Wollen wir der Wissenschaft glauben, dann rechnet das Bewusstsein mit 40 bit pro Sekunde und das Unbewusste mit 11.000.000 bit.  Nur das Bewusstsein zu unterrichten, hieße mehr als 99,99 % der Rechenleistung läge brach. 
Doch wie es scheint ist mangelnde Effektivität bei schulischem Lernen nicht einmal das größte Problem. So viele  Schüler glauben denen, die ihnen immer wieder sagen, Schule sei wichtig, um später einen guten Beruf zu haben. Sie wollen lernen, auch wenn sie  zum Lernen gezwungen werden.  Doch  11.000.000 bit zerren unbewusst an einer Leine und wollen weg. 

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Sie merken: Beide, der Schreiber und der Leser tun sich schwer, wenn beim Lesen keine Bilder oder Filme laufen. Der eine ringt um Worte, knetet jeden Satz und trotzdem sind es nur Worte.
Solange wir den beiden keine Gesichter geben, können wir uns unter dem Bewusstsein und dem Unbewussten nichts vorstellen. Und wo die Vorstellung fehlt, bleibt auch die Beschreibung des Zusammenspiels zwischen beiden farblos. 
Ich will deshalb das Gesagte in Bilder betten und  das Bewusstsein „Mensch“ nennen; das Unbewusste sei ein starker „Hund“.

Beide bilden eine untrennbare Einheit und sind mittels einer dicken Leine aneinander gekettet. Wir können diesen Hund  also nicht mal eben an einen Pfosten binden, wenn wir in ein Geschäft gehen, in dem Hunde keinen Zutritt haben. Oder vor der Schule an den Fahrradständer. Überall wohin der eine geht und bei allem, was er tut, ist auch der andere mit dabei.

Säße der Hund sichtbar mit im Klassenzimmer, er stünde im Zentrum des Interesses jedes Lehrers. Denn besser er reißt den Schüler mit (flow), als dass er ihn am Treppensteigen hindert. Am Ende versucht er gar, dessen schwere Prüfung abzulegen!?

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