„Unterrichtet nicht den Menschen …“

„Unterrichtet nicht den Menschen, unterrichtet das Tier!“

Die Pädagogik, die wir in diesem Buch vorstellen werden, heißt Fraktales Lernen. Zu Beginn der Entwicklung unterschieden wir zwischen bewusster und unbewusster Wahrnehmung. Und bald schon hatten wir es mit all den anderen Bereichen zu tun, für die Maria Montessori uns die Augen öffnete. Doch Worte und Sätze zu finden, die andere motivierten, in einen Dialog einzutreten, schien fast unmöglich. Denn mit dem Wort „das Unbewusste“ legt sich immer neu eine wabernde Wolke über jeden Sinn.
Als wir dann einmal dem Beispiel des bereits zitierten Neuro-Biologen, dessen Namen wir uns leider nicht gemerkt haben, folgten und das Unbewusste „Tier“ nannten und im Unterschied dazu das Bewusstsein „Mensch“, passierten mehrere Dinge gleichzeitig:

  • Die Sätze wurde deutlich einfacher.
  • Die eigenen Gedanken bekamen Struktur und Schärfe.
  • Es kamen zum ersten Mal  längere Gespräche in Gang.
  • Eine ganze Reihe von Phänomenen, die vorher gar nicht Thema waren, fügte sich wider Erwarten nahtlos ein in ein klarer werdendes Bild.
  • Aus der neuen Wortwahl ergaben sich neue Gedankenlinien und Aspekte für die Beobachtung.

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Wie unterschiedlich sind die beiden doch:

  • Das Unbewusste —das Tier— nimmt alles wahr. Gleichzeitig. Es wirft alle Daten in einen großen Topf, rührt kräftig um und liefert als Ergebnis einen Gefühl („hier bin ich sicher“) oder einen Impuls („ich muss hier weg“).
  • Das Bewusstsein hingegen —der Mensch— konzentriert sich auf Einzelpunkte und verknüpft sie miteinander. Dabei müssen diese nicht einmal in einem einzigen Bild vorkommen, sondern können beliebig weit voneinander entfernt liegen. In den beiden Grunddimensionen menschlichen Daseins: Raum und Zeit.
  • Der eine lernt „nur“ durch eigene Erfahrung/ Wahrnehmung; der andere kann von den Gedanken und der Erfahrung aller Lebewesen lernen. Über Raum und Zeit hinweg.
  • Das Tier fühlt; der Mensch denkt.
  • Der eine drückt sich im Körper aus; der andere kann mit Worten über fremde Dinge sprechen
  • Der erste lebt im Hier und Jetzt; der zweite schweift immerzu in andere Zeiten ab, denkt an das, was gestern war und morgen sein wird.
  • Wollen wir neuro-biologischen Zahlen glauben, dann nimmt das Unbewusste pro Sekunde 11.000.000 bit an Daten auf. Nur 40 bit davon kommen im Bewusstsein an.

Dieser riesige Unterschied in der Rechenleistung mag auf den ersten Blick überraschen. Doch schon der zweite zeigt, dass das Unbewusste den größeren Computer haben muss! Denn wer sich für alles interessiert, wer die ganze Welt mittels einer mehrdimensionalen Sinnesleinwand gleichzeitig wahrnimmt und erst darin nach Mustern sucht, nach simultanen Gemeinsamkeiten und Beziehungen, dessen Betriebssystem muss ein Vielfaches derjenigen Daten verarbeiten, mit denen es einer zu tun hat, der immer nur Einzeldaten in Beziehung setzt. Ersterer sucht immer auch nach neuen Mustern, solchen also, die er noch nicht kennt und von denen er auch nicht weiß, wie sie aussehen. Letzterer hingegen weiß genau, worum es geht und er tastet in diesem Wissen die sich um die eigene Achse drehende Welt mit einer dünnen Nadelspitze ab.

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